# Programmheft

Das Veranstaltungsverzeichnis zum Jubiläum ist ein Buch in Gestalt einer Kugel. 72 halbrunde Seiten fächern sich zur Sphäre auf und führen mit 287 Veranstaltungen durch das Jahr.

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Cover Veranstatlungsverzeichnis

## Codex sphericus

### Das ganze Jahr in der Hand

  
**Konzept, Gestaltung, Typografie und Programmierung:** Sebastian Peetz, peetz & le peetz design  
**Redaktion:** Annika Pamir, Anne Reichel, Anna Lena Schnettler, Sebastian Peetz  
In Zusammenarbeit mit dem Präsidialbüro und der Stabsstelle Hochschulkommunikation  
**Gesamtherstellung:** Gutenberg Beuys Feindruckerei  
72 Seiten · 287 Veranstaltungen · Oktober 2026 bis Dezember 2027

> Sebastian Peetz
> 
> „Ich habe nach einer Form gesucht, die aus dem Jahr 1527 eine Antwort für 2027 macht: ein gedrucktes Buch, gerechnet wie ein Globus, genäht wie im 16. Jahrhundert.“  

Fünfhundert Jahre sind mehr, als ein Blick fassen kann. Als Landgraf Philipp von Hessen 1527 in Marburg eine Universität gründete, war der Buchdruck keine hundert Jahre alt, und Nikolaus Kopernikus arbeitete an einem Bild der Welt, das er erst 1543 veröffentlichen sollte. Seither wurde in Marburg gelehrt, geforscht und gelernt, und vieles, was damals begann, wirkt bis in die Arbeit von heute.

Dieses Jubiläum feiern wir von Oktober 2026 bis Dezember 2027 mit 287 Veranstaltungen aus allen Fachbereichen: Vorträge und Ausstellungen, Konzerte und Feste, ein Abend im Schloss ebenso wie eine Ringvorlesung über ein ganzes Semester. Ein solches Jahr braucht einen Wegweiser, der Überblick gibt und zugleich Lust weckt, sich auf den Weg zu machen.

Am nächsten läge dafür eine digitale Form. Termine lassen sich im Netz aktualisieren, durchsuchen und teilen, und alle Veranstaltungen finden Sie selbstverständlich auch auf dieser Website. Doch eine Universität, die im ersten Jahrhundert des Buchdrucks entstand, ist mit dem gedruckten Buch groß geworden. Über Jahrhunderte war es der Ort, an dem Wissen bewahrt, geprüft und weitergegeben wurde. Wir haben uns deshalb gefragt, was ein Buch heute leisten kann, wenn es mehr sein soll als der Ausdruck einer Bildschirmseite. Die Antwort hält man in der Hand: der Codex sphericus, entworfen von dem Künstler und Typografen Sebastian Peetz.

#### Vom Kreis zur Kugel

Das Vorbild liegt in der Dombibliothek Hildesheim. Dort wird der Codex rotundus aufbewahrt, ein Stundenbuch aus dem späten 15. Jahrhundert, dessen Seiten kreisrund beschnitten sind. Ein zweites Buch dieser Art ist nicht überliefert. Sebastian Peetz führt das Prinzip einen Schritt weiter, aus der Fläche in den Raum: Aus dem Kreis wird die Kugel, aus dem Codex rotundus der Codex sphericus.

Diese Kugel ist zunächst ganz wörtlich gemeint. Jede der 72 Seiten ist ein Halbkreis, gerade am Bund und gerundet am Vorderschnitt. Aufgeschlagen ergeben zwei Seiten den vollen Kreis, die Kugel im Schnitt; fächert man den Buchblock auf, schließt sie sich zum Körper. Ihr Radius misst 152,7 Millimeter, das Gründungsjahr in Millimeter gesetzt. Selbst die Jubiläumszahl ist aus dieser Geometrie gebaut: Ein Halbkreis und zwei Kreise, die Seite und die aufgeschlagene Doppelseite, bilden die 500. Jedes Blatt steht in seinem eigenen Winkel zur Achse des Rückens, alles ist gerechnet und dann gezeichnet. In der Hand spürt man davon das Ergebnis: Das Buch liegt ruhig, blättert sich leicht und lässt dem Inhalt den Vortritt.

Gebunden ist es in sichtbarer Fadenheftung, sechs Lagen zu je zwölf Seiten, ein einziges Papier von der ersten bis zur letzten Seite. Die Konstruktion bleibt offen und erinnert an die Gründungszeit der Universität, als der junge Buchdruck Europa veränderte: Bögen wurden gefalzt, zu Lagen zusammengetragen und vernäht.

Erst dann kommt die Bedeutung. Die Kugel gilt seit der Antike als Sinnbild des Ganzen, und ein Ganzes will dieses Verzeichnis zeigen: eine Universität mit all ihren Fächern, Orten und Menschen, versammelt in einem einzigen Jahr.

#### Ein Himmel aus Buchstaben

Schon der Umschlag sagt, wie dieses Buch gedacht ist. Die halbrunde Seite ist ein Stück Himmel: oben tiefes Nachtblau, unten das Violett einer beginnenden Dämmerung, eine Kugel, von einer Seite beleuchtet. Darin schweben Buchstaben, ohne Zeile und ohne Reihenfolge, große und kleine, weiße und goldene. Man kann sie auf drei Arten lesen.

Die großen weißen Buchstaben lassen sich verbinden wie Sterne zu einem Sternbild. Wer es tut, von oben links nach unten rechts, liest „Veranstaltungsverzeichnis“. Das ist die erste Lesart, und sie steht jedem sofort offen.

Die kleinen Buchstaben sehen aus wie Sternenstaub, doch sie gehorchen einem Gesetz. Neben jedem großen Buchstaben steht sein Nachbar aus dem Alphabet, der davor oder der danach: neben dem V ein W, neben dem E ein F, neben dem N ein M oder ein O. Nach dem Z folgt das Ä, als liefe das Alphabet, wie eine Linie auf der Kugel, zu sich selbst zurück. Nichts auf diesem Umschlag ist zufällig, obwohl alles so aussieht. Das ist die zweite Lesart: Hinter dem scheinbaren Beliebigen liegt eine Regel, und wer sie einmal erkannt hat, sieht das Bild nie wieder als Zufall.

Die dritte Lesart ist die, auf die es ankommt. In diesem Feld, das eine Regel hervorgebracht hat, wurde etwas gefunden, das niemand hineingeschrieben hatte: acht der kleinen Buchstaben ergeben, zusammengesucht, das Wort JUBILÄUM. Es wurde entdeckt und dann in Gold gesetzt, so wie die alten Handschriften mit Gold markierten, was zählt. Genau das ist die Bewegung, die eine Universität seit 1527 vollzieht: ein Gesetz erkennen, das Feld, das es erzeugt, geduldig betrachten und darin lesen, was vorher unsichtbar war. Kopernikus hat die Planeten nicht neu geordnet; er hat die Ordnung gesehen, die schon galt.

Wer sich Zeit nimmt, findet mehr. Aus denselben Buchstaben lassen sich KUGEL verbinden und BUCH, JAHR und FEST, ZEIT und ZUKUNFT, WEISHEIT, LEHRE, ANFANG, STAUNEN, WELT. Der Umschlag ist der Setzkasten, aus dem sich dieses Jahr setzen lässt, die Lettern lose, wie der frühe Buchdruck sie kannte, bevor der Setzer sie in die Hand nahm. Innen im Buch stehen dieselben Buchstaben in Zeilen, gefasst von programmierten Regeln. Vorn die Möglichkeit, innen die Ordnung, und das Blättern ist der Weg dazwischen.

Man kann in dem Bild das Alphabet erkennen, das Periodensystem der Elemente, die Signaturen einer Bibliothek. Man kann darin auch die 25.000 Menschen sehen, die diese Universität sind: Keiner von ihnen ist das Wort, aber ohne jeden Einzelnen bleibt es unlesbar. Unten schließt das Signet den Satz, den der Himmel darüber nur andeutet: 500 Jahre, Universität Marburg.

#### Ein Raster aus Meridianen

Auch im Inneren bleibt die Kugel gegenwärtig, nun in die Fläche übersetzt. Das Satzraster ist aus Meridianen und Breitenkreisen entwickelt. Die Spalten werden zu den Polen hin schmaler, im Maß des Kosinus, mit dem sich auch die Breitenkreise verkürzen; die Abbildungen sind seitlich von Meridianen und oben wie unten von Breitenkreisen gefasst. So wirken die Spalten gekrümmt, als sähe man sie durch eine Glaskugel. Die Zeilen selbst laufen vollkommen gerade. Gekrümmt ist der Raum, in dem der Text steht, nicht der Text, und die Lesbarkeit bleibt ungeschmälert. Mehr als fünfzig programmierte Regeln steuern den Satz bis in die feinsten typografischen Entscheidungen.

#### Marburg in der Welt

Auf einer Doppelseite wird aus der gedachten Kugel eine bewohnte: die Erde. Die Weltkarte, die Sebastian Peetz gemeinsam mit Kartografen entwickelt hat, setzt die Alte Universität in den Mittelpunkt. Sie verzeichnet 303 Städte auf allen Kontinenten, mit denen Marburg durch 368 Studienpartnerschaften verbunden ist. Die Projektion ist azimutal: Von Marburg aus liegt jeder Ort in seiner wahren Richtung, und was näher ist, liegt auch auf der Karte näher. Der Rand der Karte ist ein einziger Punkt, der Antipode Marburgs im Südpazifik, 50,8079° Süd, 171,2282° West.

Dass sich eine Kugel nicht ohne Verzerrung in die Ebene bringen lässt, hat Carl Friedrich Gauß 1827 bewiesen; sein Theorema egregium gilt für jede Karte, die je gezeichnet wurde. Kartieren heißt deshalb entscheiden, was bewahrt wird. Diese Karte bewahrt die Richtung und die Ordnung der Entfernungen, also den Blick von Marburg in die Welt. Einen Maßstab hat sie nicht, denn er ist nirgends derselbe.

#### Eine Universität bei der Arbeit

Bei aller Theorie dient das Buch einer einfachen Praxis: Es lädt ein. In heiterem Ton führt es chronologisch durch das Jahr. Ein Register ordnet jede der 287 Veranstaltungen einer von dreißig Tätigkeiten zu, vom Erinnern über das Forschen bis zum Feiern: Ausstellungen zeigen, Vorlesungen vermitteln, Tagungen ordnen, Feste verbinden. So wird lesbar, was eine Universität im Kern tut. Die Abbildungen stammen aus dem Archiv und den Sammlungen der Universität. Wer blättert, sieht ihr bei der Arbeit zu und findet auf jeder Seite eine Einladung, dabei zu sein.

#### Über den Gestalter

Sebastian Peetz (Hannover) ist Künstler, Typograf und Buchgestalter. Er studierte Typografie, Zeichnung und Design am Art Center College of Design (Europe) in der Schweiz und schloss 1992 mit Auszeichnung ab. Von 1993 bis 1996 arbeitete er in Paris mit Philippe Apeloig. Peetz versteht das Buch als räumliche Denkfigur, in der Inhalt, Raster und Form eine Einheit bilden. Aus diesem Ansatz entstanden für Hannovers Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 ein skulpturales Bid Book und eine 21 Meter lange bedruckte Textilrolle für eine Zeitkapsel. Seine Arbeiten wurden unter anderem mit dem iF Design Award, dem German Design Award und dem Red Dot ausgezeichnet.

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Programmheft

© Julian Winkhaus