Veröffentlicht am | 21.10.2026
Ulrich Sieg und Jürgen Kaube diskutieren Marburger Universitätsgeschichte
Wie prägten politische Umbrüche und wissenschaftliche Entwicklungen die Philipps-Universität Marburg? In seinem Buch „Zeit der Professoren“ beleuchtet der Historiker Ulrich Sieg die Universitätsgeschichte von 1866 bis in die 1970er Jahre. Am 19. Oktober 2026 stellte er das Werk bei Foto Marburg vor und diskutierte mit FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube über die widersprüchliche Geschichte der Hochschule.
Nach der Begrüßung durch Uni-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss und Prof. Dr. Eckart Conze, Dekan des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften, sowie einem Grußwort von Thedel von Wallmoden vom Wallstein Verlag stellte Sieg seine Untersuchung vor. Im Mittelpunkt des Buchgesprächs mit Jürgen Kaube stand vor allem die widersprüchliche Eigenheit der Marburger Universität: Während sie sich neuen Entwicklungen mitunter verschloss, gelang es eigenwilligen Außenseitern, sich gegenseitig zu unterstützen und eigene Handlungsspielräume zu bewahren. Diskutiert wurden die intellektuelle Modernität der Weimarer Republik und die gleichzeitige Stärke rechtsextremer Kräfte, die nationalsozialistische Vergangenheit und ihre zögerliche Aufarbeitung nach 1945 sowie der Wandel zur sogenannten „roten Universität“. Dabei wurde auch deutlich, wie eng die Entwicklung von Stadt und Universität miteinander verflochten war. Moderiert wurde die Diskussion von Eckart Conze und Prof. Dr. Inken Schmidt-Voges.
Die Buchvorstellung von Ulrich Siegs „Zeit der Professoren“ bot Einblicke in mehr als ein Jahrhundert Universitätsgeschichte.
© Peter Osswald
Mit „Zeit der Professoren“ leistet Ulrich Sieg einen Beitrag zum Jubiläum der Philipps-Universität und eröffnet einen kritischen Blick auf ihre Geschichte zwischen wissenschaftlicher Blüte, politischen Verwerfungen und strukturellem Wandel. Das Buch zeigt, wie stark einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Hochschule prägten, aber auch, welche Widersprüche und Ausgrenzungen ihre Geschichte kennzeichnen. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit lädt dazu ein, die Entwicklung der Universität und ihr Verhältnis zur Gesellschaft auch mit Blick auf die Gegenwart neu zu betrachten.